Stellungnahme zu den Argumenten der Befürworter des NVZ Geländes

Das ewige Katz und Maus Spiel um das geplante NVZ Gelände nimmt vor der nächsten Stadtrat Sitzung am 18.02.2021 nochmal richtig Fahrt auf. Auf die Berichterstattung vom 12.01.2021 in der Rheinzeitung „Plan für Wohnbebauung auf dem Rick-Gelände“ gab es nach Angaben von Markus Wahl, City-Immobilien & Projektentwicklung, Bad Neuenahr, eine sehr viel positive Resonanz aus den verschiedensten Lagern. Es haben sich sogar einige Kaufinteressenten für die geplanten Einfamilienhäuser gemeldet, um sich auf eine Warteliste setzen zu lassen. Das  hat Markus Wahl keine Ruhe gelassen, um sich den vermeintlichen Argumenten der Befürworter des NVZ Geländes näher zu beschäftigen. Dabei sind ihm folgende Stellungnahmen vereinzelter Vertreter zu Ohren gekommen.

Es gibt keine Kaufinteressenten / kein Bedarf für eine Wohnbebauung !

Das kann Markus Wahl nicht bestätigen. Sein Makleruntnehmen hat einen aktiven Bestand von 73 Kaufinteressenten für Einfamilienhäuser in der Preiskategorie zwischen 350.000,– € und 550.000,– €, die in Sinzig gerne ein Haus kaufen möchten. Daneben 68 aktive Kaufinteressenten für Eigentumswohnungen in Sinzig, überwiegend barrierefrei. Darüber hinaus machte uns Herr Wahl darauf aufmerksam, dass viele Hauseigentümer aus dem Stadtgebiet von Sinzig ihr zu groß gewordenes Haus gerne verkaufen würden, wenn Sie eine passende barrierefrei Eigentumswohnung vor Ort finden würden. Somit kommen in diesem Zusammenhang auch wieder Bestandsimmobilien auf den regionalen Markt. Damit profitieren sowohl die Verkäufer als auch die Käufer von Einfamilienhäusern und der großen Nachfrage kann genüge getan werden.

Die Erschließungskosten für eine Wohnbebauung sind wesentlich teurer als für eine Gewerbebebauung und würde so die Grundstückspreise extrem in die Höhe treiben !

Mit dieser Aussage hat Wahl ein hiesiges Ingenieur- und Planungsbüro konfrontiert. Dass die Erschließungskosten für eine Wohnbebauung wesentlich teurer sind als für eine Gewerbebebauung kann man pauschal nicht sagen. Diese sind im Einzelfall zu prüfen. So das Ingenieurbüro. Es ist sogar möglich, dass eine Gewerbebebauungserschließung einen höheren Kostenaufwand verursacht, als eine Wohnbebauungserschließung, wenn z.B. extra ein Kreisverkehr angelegt wird, oder darüber hinaus spezielle Schallschutzmaßnahmen getroffen werden müssen. Und genau das ist hier der Fall.

Die bestehende Stromleitung macht eine Wohnbebauung auf dem ehemaligen Rick Gelände unmöglich !

Diese Aussage ist schlichtweg falsch, so Wahl. Die Westnetz AG hat speziell Vorschriften auferlegt, die auch im Bebauungsplan festgelegt werden. Im Fall des Rick Geländes gibt es einen Schutzstreifen einer Hochspannungsfreileitung mit einer Breite von 25 Metern, die für eine Wohnbebauung einzuhalten ist. D.h. in diesem Schutzstreifen darf keine Wohnbebauung realisiert werden. Das kann man an der bestehenden Bebauung in der Alfred-Schweizer-Straße erkennen. In der Verlängerung dieser bestehenden Bebauung können auch weitere Baukörper erstellt werden. Die überwiegende rechte Grundstücksfläche in Richtung Dreifaltigkeitsweg und Jahnstraße können entsprechend bebaut werden. Die linke Fläche von den Bestandshäusern aus nicht. D.h. ca. 80 % der Fläche ist für eine Ein- bis Mehrfamilienhausbebauung möglich. Wie die restlichen 20 % der Flächen sinnvoll und nachhaltig genutzt werden können, ist natürlich noch zu erarbeiten. Man sollte hierzu erst den gewünschten Bedarf mit den Beteiligten klären und dann die passenden Käufer / Betreiber / Nutzer dazu finden um ein schlüssiges Konzept mit der geplanten Wohnbebauung in Einklang zu bringen.

Der Grundstückseigentümer hinterlässt eine Grundstücksbrache, wenn er keine Genehmigung bekommt !

 Das halte ich für ein Gerücht, welches aus wirtschaftlichen Gründen nicht nachvollziehbar ist. Welcher klardenkende Kaufmann würde sein Geld einfach so, ohne Ertrag in einer Grundstücksbrache liegen lassen? Zu diesem Punkt hat der Projektentwickler Wahl das bereits im Vorhinein abgefragt. Im vergangenen Jahr hat er Kontakt zur Frau Spiess von der Firma Alsdorf aufgenommen und gezielt nach einem Ankauf für das ehemalige Rick Gelände nachgefragt. Diese lehnte aber zum damaligen Zeitpunkt einen Verkauf ab, da man die Entscheidung des Stadtrates abwarten wolle. Falls einer Genehmigung nicht zugestimmt wird, kann man sich dann gerne in Verkaufsverhandlungen begeben.

Die Steuereinnahmen sind bei einer gewerblichen Nutzung höher, als bei einer Wohnbebauung !

Das ist nicht der Fall. Hier ein Auszug aus dem Anschreiben der Kreisverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler an die B.K.S. Ingenieurgesellschaft in Trier vom 27.05.2020 zu dem „Raumordnerischen Prüfergebnis“ unter 5.5.4 Absatz, folgendes zu entnehmen ist:

Gewerbesteuereinnahmen: Die Gewerbesteuereinnahmen die die Vollsortimenter betragen gerade einmal 3 % des Stadthaushaltes. Diese würden bei Umsetzung des NVZ am Dreifaltigkeitsweg durch jahrelange Abschreibungen sogar noch sinken.

Wohnbebauung: Unabhängig davon, dass viele junge Familien der Stadt Sinzig den Rücken kehren, weil sie keine Bauflächen finden, wäre eine Ausweisung eines Baugebietes letztendlich für den Stadthaushalt deutlich lukrativer als die marginalen o.g. Gewerbesteuereinnahmen (s. Wunsch des Ortsbeitrates). Es ist ein einmaliges Ereignis, dass sich der Stadtrat über den Beschluss eines Ortsbeirates hinweggesetzt hat. Der Ortsbeitrat der Kernstadt Sinzig hat sich mehrheitlich gegen den Bau eines NVZ auf dem ehemaligen „Rick-Gelände“ ausgesprochen. Ein offener Affront gegen die Wünsche eines Ortsteils der Stadt Sinzig.